Die letzten Tage der Biennale

Venedig im November, aqua alta und hohe Regenwahrscheinlichkeit… meine Erwartungen sind gemischt.

Foto Kopie 5Der erste Tag beginnt grau und regnerisch, die Gummistiefel, die wir von unserem Hotelier erhalten haben, sind unbequem und erst auf dem Weg zu den Giardini wird es freundlicher. Abgesehen von einigen lärmenden Schulklassen auf den Wegen ist es in den Pavillons angenehm ruhig und entspannt. Das aktuelle Konzept für den Hauptpavillon finde ich nicht überzeugend. Unterhaltsam dagegen ist der britische Pavillon, der sich humorvoll mit den russischen Oligarchen auseinandersetzt und der Russische, der goldene Münzen regnen lässt.

Der nächste Tag beginnt mit Sonnenschein und gleißendem Licht auf dem Canale Grande. Auf dem Programm noch einige Länderpavillons und der Spaziergang zu den Arsenale.

Aus der Menge der unterschiedlichen Arbeiten sind einige besonders im Gedächtnis geblieben: Die Arsenale zeigen einige bunte Installationen aus Südamerika, einen Baumriesen aus Lettland und einen erstaunlichen Saal mit Figuren eines polnischen Künstlers, der Gesichtsmasken und Abdrücke von Händen venezianischer Bewohner zu menschlichen lebensgroßen Plastiken verarbeitet hat. Portugal hat mit dem schwimmenden Pavillon auf einem ausgedienten Hamburger Elbdampfer den venezianischen Vaporetti Konkurrenz gemacht. Es war ein herrliches Erlebnis für eine halbe Stunde die Fahrt von den Giardini bis zur Punta delle Dognate und zurück bei strahlendem Sonnenschein und portugiesischem Fado  zu genießen.

Foto Kopie 2Die für mich erstaunlichste und beste Entdeckung aber war die Ausstellung Voice of the Unseen-Chinese independent Art. Leider sehr am Rande der Biennale, außerhalb der Arsenale im Norden, schwer zu finden und schon zum Teil abgebaut am 20. November. Die Arbeiten von 198! Künstlern faszinieren mich. Technik, Konzeption, Thematik und Qualität haben alle anderen Arbeiten, die ich vorher gesehen hatte, übertroffen. Leider war die Ausstellung, die vier große Hallen umspannte, schon teilweise verpackt, aber der Eindruck der noch zu sehenden Werke war überwältigend.

In Venedig selbst waren es vor allem die Länderausstellungen von Irland zum Krieg in Kongo, vom Irak mit der Improvisation eines nachgestellten Wohnraums mit Pappmöbeln, von Aserbaidschan mit ornamentalen Skulpturen, die mich nachhaltig berührt haben. Sehr glatt und artifiziell dagegen die Ausstellungen im Palazzo Grassi und Punta della Dogana, die in prachtvoller Umgebung wenig Emotionen hervorrufen.

Foto Kopie 7Venedig ist aber auch Schauplatz des jährlichen Gedenktages am 21. November für die Erlösung von der Pest. Eine Ponton-Brücke verbindet die beiden Ufer des Kanale Grande, um den Venezianern den traditionellen Gang in die Salute Kirche zu ermöglichen. Ein Volksfest, das alle Bewohner mobilisiert und mit zahlreichen Buden auf den Plätzen die Menschen mit Kerzen, Heliumballons und süßen Köstlichkeiten verwöhnt. Gegen Abend wird es empfindlich kalt, die Kinder, Hunde und Alte sind zwischen den zusammengepferchten Menschen auf den Vaporettos ängstlich und verloren. Ein Gewitter setzt ein und der Regen prasselt auf die engen Gassen.

Drei Tage voller Eindrücke, so wechselhaft wie das Wetter. Ich bin glücklich, dass ich es gerade noch rechtzeitig geschafft habe….

AnnekathrinVeröffentlicht im Blog von
Annekathrin Koch

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